Putting Allgemein


Inspire your Putting Grip

Bild JS by NYTimes
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Unser Score wird auf den Grüns verdient. Meistens jedenfalls. Gutes Putting ist eine Bank – für Professionals und Amateure. Neben unserer, noch nicht beendeten Serie „My Putting Guide“, wollen wir heute eine Inspiration aufnehmen, die wir selbst jetzt gerade testen und uns vielleicht auch dauerhaft aneignen möchten. Gutes Putten hat mit Stabilität zu tun. Ein Unsicherheitsfaktor sind immer Griff und Handgelenke, die den Übergang der Puttbewegung auf den Schläger managen. Neulich beobachtete ich bei der Aufzeichnung eines Golfturniers der PGA Tour ganz genau den genial puttenden Jordan Spieth. Mit dem Crosshanded-Griff puttete er wie vom anderen Stern. Ich musste mich an das Putting unseres Top-Spielers im Club erinnern, der diese Technik nutzt und ebenfalls grandios puttet. Damals verspürte ich bei Crosshanded-Probeputts irgendwie ein Unbehagen. Das war nicht meins. Offensichtlich war mein Kopf noch nicht soweit. Nach der Aufzeichnung ging ich in meinen Putting-Keller und testete mit unterschiedlichen Puttern mal neue Putting-Griffe. Sergio Garcias „Klaue“ war auch dabei. Die Ergebnisse und das Gefühl waren besser als erwartet. Also Inspiration aufnehmen, testen und für die beste Variante entscheiden. Auch wenn es bei dem alten, herkömmlichen Griff bleibt. Entwicklung nach vorne basiert u.a. auf Offenheit einem neuen Thema gegenüber und dem Mut zur Veränderung.  Macht ihr mit? Also schauen wir uns erst einmal in Frage kommende Griffe genauer an, um dann eine Testphase auf den Grüns einzuleiten und dann eine bewusste Entscheidung für oder gegen einen Griff zu treffen. Lets go!

Wir starten erst einmal mit dem herkömmlich traditionellen Griff. Hier liegen beide Daumen mittig auf dem Griff und beide Handrücken recht parallel zueinander. Wir gehen hier mal von Rechtshändern aus, also ist die linke Hand wie bei jedem Schläger über der rechten Hand. Sorry, Linkshänder; ihr müsst jetzt mal für euch umdenken. Der linke Zeigefinger wird oft über die Finger der rechten Hand gelegt, um so eine bessere Einheit beider Hände und Putter herzustellen. Interlocking oder Baseballgriff gehen nach individuellem Gefühl aber auch. Buisness as usual halt. Diesen Griff habe ich so gelernt und jahrelang angewendet, ohne mir großartig Gedanken über einen anderen Griff zu machen. Jetzt wollen wir mal sehen…

Crosshanded-Putten ist nicht nur auf der PGA Tour angekommen. Was also hat es mit diesem Griff auf sich? Die linke Hand befindet sich hier bei Rechtshändern unterhalb der rechten und der rechte Zeigefinger wird oft über die Finger der linken Hand gelegt. Andere Kleinfingerspielchen sind hier auch wieder Gefühlssache. Die Handrücken sind auch recht parallel zueinander. Bei dieser Position hängt die rechte Schulter nicht automatisch tiefer als die linke und führt zu einer horizontalen Schulterachse, welches für sauberes Zielen und einen guten Treffmoment nützlich ist.  Weiterhin nimmt dieser Griff eine sehr dominante rechte Hand (Rechtshänder) aus dem Spiel. Dies war und ist eines meiner Hauptprobleme. Der Crosshanded-Griff stabilisiert die Handgelenke und führt zu einem besseren Pendelschwung ohne diese dominante rechte Hand. Die erste Runde mit diesem Griff hat ganz klar bestätigt, dass eine hervorragende Richtungskontrolle, guter Treffmoment / Roll aber noch gewöhnungsbedürftige Längenkontrolle. Ebenso muss ich persönlich noch einmal sehen, wo ich Finger bei diesem Griff genau positioniere. Aber alles ausbaufähig mit ner guten Basis. Der Crosshanded-Griff half mir besonders bei den kurzen Putts, die schön auf der Linie waren. Etwas komisch ist die Umstellung, auf dem Grün anders zu greifen, als bei den übrigen Schlägen. Ich bleibe auf jeden Fall am Ball.

Bild: SG by NYTimes
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Etwas Außergewöhnlicher ist der Griff des amtierenden Masters-Champions Sergio Garcia. Er hatte jahrelang mit seinem Putting gehadert und scheint zwischendurch mit „der Klaue“ bestens zurecht gekommen zu sein. Beim Klauengriff greift der Rechtshänder mit der linken Hand wieder oben und setzt die rechte Hand als Führhand mit lockeren und abgespreizten Fingern darunter an den Griff. Das Zusammenspiel beider Hände gibt erstaunlich viel Stabilität und lässt eine weiche und saubere Puttbewegung zu. Wenn man hier seine Finger wieder ordentlich „unterbringt“, lässt sich damit hervorragend Putten. Falls ihr euch einmal mit Puttergriffen beschäftigen möchtet, sollte „The Claw“ nicht fehlen, auch wenn Sergio Garcia mittlerweile schon wieder anders greift.  

Andere, eher unorthodoxe Grifftechniken können ebenfalls erfolgreich sein. Hier ist natürlich das subjektive Empfinden des Spielers ausschlaggebend, der sich mit einer solchen aber brauchbaren Technik beschäftigt. Das Fixieren am Unterarm ist eine dieser Techniken. Gerade mit den längeren Belly-Puttern lässt sich das Fixieren des Schaftendes gegen den Unterarm sehr gut durchführen. Falls sich jemand hier für Bernhard Langers Technik mit dem Besenstiel-Putter interessiert, wäre das auch nochmal ein Thema für sich. Wer sich für eine andere Technik entscheidet, spart sich sicherlich Diskussionen über den Einsatz dieses Putters. Langer ist einer der wenigen, die nach der Regeländerung (Anchoring-Verbot) den Putter mit leicht veränderter Technik und regelkonform spielt. Der ehemalige „Besenputter“ Adam Scott ist nach dieser Regeländerung  übrigens auch bei der „Klaue“ gelandet.

 

Wenn wir uns über Grifftechniken unterhalten, sollten wir auch immer drei  weitere Punkte im Auge behalten. Zum einen die Dicke des Griffes und zum anderen die Länge des Putters. Weiterhin Gewicht / Kopfform des Putters. Alle baulich bedingten Optionen unterstützen, auch abhängig von körperlichen Eigenschaften und dem angewendeten Griff, den Putt als solches. Das Zielen mit einem kurzen Putter wird durch den Augenabstand zum Ball verbessert, ein dickerer Griff sorgt im Allgemeinen für mehr Stabilität in der Puttbewegung. Auch ein etwas schwereres Mallet-Modell lässt sich verallgemeinert besser in die Zielrichtung pendeln als ein leichterer Blade-Putterkopf. Die ausgewählte Grifftechnik wirkt sich wieder unterschiedlich auf die drei genannten Punkte aus. Alles muss zusammenpassen und sich gut anfühlen. Klingt auch irgendwie logisch. Ich teste die  unterschiedlichen Griffe derzeit mit ganz unterschiedlichen Puttermodellen, um hier Erfahrungen zu sammeln.              

So, nun haben wir eine ganze Menge über Puttergriffe und Co. erfahren. Jetzt sollten wir uns einfach mal trauen, eine neue Technik und vielleicht Verbesserung zuzulassen. Fakt ist, wer mit seinem Putting und den Puttwerten zufrieden ist, der sollte möglichst wenig ändern. Fragt Corey Pavin auf der amerikanischen Seniorentour. Er spielt seit Ewigkeiten mit dem gleichen Minigolfschlägerähnlichen-Puttermodell und derselben Putt-Technik. Alles eine Frage der Philosphie und des Ergebnisses. Ihr, als Amateure könnt für die Grifftests eure Puttwerte auf der Runde notieren oder wieder Übungen aus dem Booklet „Mein Golf Training“ anwenden. „Hit the Hall“ und „Circle-Putting“ sind zwei gute Übungen auf dem Putting-Green. Auch der Zock auf die 18 Übungslöcher des Puttinggreens (gegen Score oder Gegner) ist wunderbar geeignet. Lasst euch also inspirieren und schaut, ob euch ein Wechsel des Griffes angenehm ist und die Ergebnisse Potential versprechen.

 

Falls dem nicht so ist, habt ihr für euch vermutlich den richtigen Griff gefunden und solltet dabei bleiben. Wechselt ggfs. aber nicht zu früh zurück. Die Verfeinerung der Technik erfordert natürlich ein gewisses Einspielen. Wir wünschen euch viel Mut, Durchhaltevermögen und Erfolg! C  

 


Unsere Basics

Wir wissen es alle – den Putter hat man ziemlich oft in der Hand und deshalb ist er auch ein überaus wichtiger Schläger. Aber behandeln wir ihn auch so? Schenken wir den Putts genau so viel Aufmerksamkeit wie den Drives z.B.? Das ist ja das Gemeine, dass ein 15 cm-Putt auf der Scorekarte genauso wertig ist wie der 270m-Drive. Ok, das kennen nur die Longhitter, also sagen wir mal 200m –Drives. Ihr wisst was ich meine. Natürlich wisst ihr es! Wie viele Artikel oder Bücher haben wir gelesen? Wie viele Filmchen angesehen? Und doch verzweifeln wir manchmal. Manchmal sogar öfter.

 

Was würden wir nur darum geben, ordentlich putten zu können.  Wie viele Schläge ließen sich einsparen? Nun, wie auch in anderen Beiträgen hier erwähnt, sind die entscheidenden Barrieren immer im Kopf des Golfers verankert. Auch  unser „Putting Guide“ berichtet davon und bietet Ansätze sowie Inspirationen.

 

Einer der wichtigsten Punkte ist immer, das Putting nicht nur auf Papier oder am Rechner ernst zu nehmen, sondern auch auf dem Grün. Das Abrufen von Technik, Vorstellungskraft und  mentaler Stärke zum richtigen Zeitpunkt. Das wäre es!

 

Aber was ist das Putten überhaupt? Das Spielen des Balls mit dem niedrig gelofteten Putter auf dem kurzgeschorenen Grün. Na klar – und weiter? Abgerufen werden soll die Präzision der Bewegung, mit der der Ball über verschiedene Richtungen (Breaks) und Entfernungen zum Loch rollt. Wir wissen selbst, dass dafür nicht nur die Fähigkeit gehört, den Ball so  technisch sauber zu spielen, wie es sich gehört. Nein, auch die Vorstellungskraft ist zur Beurteilung eines Putts vorab mehr als wichtig. Wie schnell oder langsam ist das Grün? Welche Wellenbewegung weist das Grün auf und wie wird sich der rollende Ball mit verschiedenen Geschwindigkeiten verhalten? Wo muss ich hinzielen, damit der Ball zum Loch rollt? Welche Geschwindigkeit ist optimal, welche zu schnell oder welche zu langsam? Welche Energie muss ich dafür einsetzen? Welche Zwischenziele gibt es?

 

Bei einem guten Putt stimmen alle Komponenten. Zumindest fast alle, denn manchmal gehen auch nicht so gut getroffene Putts ins Loch. Da lochen wir den 5m-Putt, denken dass wir es jetzt können und dann… Dann verziehen wir den 50cm-Putt am nächsten Grün obwohl der so einfach aussah! Ich denke, dass man dies nicht verhindern kann. Auch Professionals versemmeln einmal solche Putts. Die Frage ist, wie kann man beständiger werden? Wie kann man beständiger Putten? Damit wären wir ja alle zufrieden!

 

Nochmal! Wir sollten gerade gedanklich dem Putting die Bedeutung zukommen zu lassen, die für diesen wichtigen Baustein des Golfspiels angemessen ist. Es nutzt nichts, wenn wir nur etwas lesen, und nur mit etwas beschäftigen. Nein, es sollte auch  – wie in diesem Fall – auf dem Putting Grün  verinnerlicht und angewendet werden. Unverständlicherweise neigt man als Amateurgolfer nicht selten dazu, das Golfspiel nur bis zum Grün zu zelebrieren und das Putten mal eben „mitzunehmen“. Hier liegt oft der Hase im Pfeffer und möglicherweise können wir anhand der Inspirationen dazu beitragen, dass sich euer Putting verbessert. Folgt den weiteren Beiträgen zu den Themen Technik, Training und Mentales und folgt parallel dem „Putting Guide“, der das Thema nochmal ganz speziell aufgreift. Bis bald auf diesem Green und INSPIRE your GOLF! (C)